Die Tabaksteuer auf E-Zigaretten-Produkte hat das Dampfen in Deutschland in den letzten Jahren spürbar verteuert. Fertig befüllte E-Liquids in 10ml-Fläschchen belasten das Budget von passionierten Dampfern enorm. Doch es gibt einen völlig legalen, extrem einfachen und hochgradig befriedigenden Ausweg: Liquid selber mischen. Mit den richtigen Zutaten und Werkzeugen kannst du deine eigenen Liquids kreieren und dabei bis zu 80% der Kosten im Vergleich zu Fertigliquids sparen! In dieser umfassenden Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir dir genau, worauf es ankommt, wie du das perfekte Mischungsverhältnis berechnest und welche Utensilien du benötigst.

Inhaltsverzeichnis
1. Die Vorteile des Selbermischens: Kostenersparnis im Fokus
Wer täglich dampft, verbraucht je nach Gerät und Zugtechnik zwischen 2ml und 15ml Liquid pro Tag. Bei einem durchschnittlichen Preis von 5 bis 7 Euro pro fertiger 10ml-Flasche summieren sich die Ausgaben im Monat schnell auf über 100 Euro. Durch das Selbermischen kaufst du die Rohstoffe in größeren Mengen ein. Eine Flasche geschmacksneutrale Base, ein hochkonzentriertes Aroma und ein paar Nikotinshots kosten in der Anschaffung zwar einmalig etwas Geld, heruntergerechnet auf 10ml Liquid zahlst du jedoch oft nur noch einen Bruchteil des Ladenpreises.
Ein weiterer, unschätzbarer Vorteil ist die absolute Kontrolle über die Inhaltsstoffe. Du bestimmst das exakte Verhältnis von Dampfentwicklung und Geschmacksträger, die präzise Nikotinstärke und kannst Aromen nach Lust und Laune miteinander kombinieren. Ob ein Erdbeer-Menthol-Mix oder ein cremiges Vanille-Custard – deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
2. Die vier Grundzutaten: VG, PG, Aromen und Nikotin
Ein fertiges E-Liquid besteht aus maximal vier verschiedenen Komponenten, die perfekt miteinander harmonieren müssen:
- Vegetable Glycerin (VG): Pflanzliches Glycerin ist eine zähflüssige, klare Flüssigkeit. Sie ist für die dichte, weiße Dampfentwicklung zuständig und besitzt eine leichte Eigensüße. Je höher der VG-Anteil im Liquid, desto dichter und weicher ist der Dampf.
- Propylene Glycol (PG): Propylenglykol ist deutlich dünnflüssiger als VG. Es dient als extrem effektiver Geschmacksträger, da sich Aromen hervorragend darin lösen. Zudem sorgt PG für den sogenannten „Throat Hit“ (das Kratzen im Hals), der dem Gefühl einer echten Tabakzigarette ähnelt.
- E-Liquid-Aromen: Hochkonzentrierte Aromen dürfen niemals pur gedampft werden! Sie machen in der Regel zwischen 2% und 15% des fertigen Liquids aus und sorgen für den gewünschten Geschmack.
- Nikotinshots: Da reines Nikotin in Deutschland stark reguliert ist, kauft man Nikotin in Form von 10ml-Fläschchen mit einer maximalen Konzentration von 20mg/ml. Man unterscheidet zwischen klassischem (freiem) Nikotin und Nikotinsalz-Shots, die im Hals deutlich sanfter sind.

3. Die notwendige Ausrüstung für dein Labor zu Hause
Um präzise und hygienisch zu arbeiten, benötigst du ein paar grundlegende Werkzeuge. Keine Sorge, die Erstanschaffung ist günstig und hält ewig:
- Leerflaschen (Chubby Gorilla Flaschen): Hochwertige PET-Leerflaschen in den Größen 30ml, 60ml oder 120ml eignen sich perfekt zum Mischen und Dosieren.
- Feinwaage oder Spritzen mit Skalierung: Das Abmessen nach Gewicht (mit einer 0,01g Feinwaage) ist die sauberste und schnellste Methode. Alternativ kannst du stumpfe Kanülen und Plastikspritzen (1ml, 5ml und 10ml) nutzen.
- Einweg-Schutzhandschuhe: Nikotin kann über die Haut aufgenommen werden. Schütze deine Hände daher bei jedem Mischvorgang mit Nitrilhandschuhen.
- Küchenpapier: Zum schnellen Aufwischen von eventuell danebengegangenen Tropfen.
4. Schritt-für-Schritt-Anleitung zum perfekten Liquid
Folge dieser simplen Anleitung, um dein erstes eigenes E-Liquid absolut sicher und lecker anzumischen:
Schritt 1: Das Wunschergebnis definieren
Überlege dir vor dem Mischen, wie viel Liquid du herstellen möchtest und welche Nikotinstärke das fertige Produkt haben soll. Für klassische Pod-Systeme wie das Lost Mary Tappo System oder Elfa Pods empfehlen wir eine Stärke von 6mg/ml bis 12mg/ml bei einem 50/50 VG/PG-Verhältnis. Für große Sub-Ohm-Verdampfer eignen sich eher 3mg/ml Nikotin mit einem 70/30 VG/PG-Verhältnis.
Schritt 2: Das Aroma dosieren
Schaue auf das Etikett deines Aromas. Dort findest du die prozentuale Dosierempfehlung des Herstellers (z.B. 10%). Berechne die menge: Bei einer 60ml Flasche entsprechen 10% genau 6ml Aroma. Fülle diese Menge als erstes in deine leere Chubby-Flasche.

Schritt 3: Die Nikotinshots hinzugeben
Gib nun die berechnete Menge an Nikotinshots hinzu. Wenn du beispielsweise eine Stärke von 3mg/ml in einer 60ml Flasche erreichen willst, benötigst du genau einen kompletten 10ml Nikotinshot mit einer Konzentration von 18mg/ml (oder die entsprechende Menge von 20mg/ml Shots).
Schritt 4: Mit Base auffüllen
Fülle den verbleibenden Rest der Flasche bis zur Halskrause mit deiner geschmacksneutralen Base (z.B. 50/50 VG/PG) auf. Verschließe die Flasche fest mit dem Tröpfelaufsatz und dem Schraubdeckel.
Schritt 5: Kräftig schütteln!
Schüttle die Flasche für mindestens eine Minute kräftig durch. Die verschiedenen Komponenten haben unterschiedliche Dichten (VG ist schwerer als PG) und müssen sich vollständig molekular verbinden, um ein homogenes Liquid zu bilden.

5. Unser integrierter Mischungs-Rechner (Tabelle)
Keine Lust auf komplizierte mathematische Formeln? Nutze einfach unsere praktische Tabelle! Sie zeigt dir genau, wie viele 10ml Nikotinshots (mit einer Standardkonzentration von 20mg/ml) du in eine leere Flasche füllen musst, um deine gewünschte Nikotinstärke zu erhalten. Der Rest wird einfach mit nikotinfreier Base aufgefüllt:
| Ziel-Volumen | Wunschnikotin | Nikotinshots (20mg/ml) | Aromamenge (bei 10%) | Zuzufügende Base |
|---|---|---|---|---|
| 30 ml | 3 mg/ml | 4,5 ml (ca. 0,5 Flaschen) | 3,0 ml | 22,5 ml |
| 30 ml | 6 mg/ml | 9,0 ml (ca. 0,9 Flaschen) | 3,0 ml | 18,0 ml |
| 60 ml | 3 mg/ml | 9,0 ml (ca. 0,9 Flaschen) | 6,0 ml | 45,0 ml |
| 60 ml | 6 mg/ml | 18,0 ml (1,8 Flaschen) | 6,0 ml | 36,0 ml |
| 60 ml | 10 mg/ml | 30,0 ml (3,0 Flaschen) | 6,0 ml | 24,0 ml |
| 120 ml | 3 mg/ml | 18,0 ml (1,8 Flaschen) | 12,0 ml | 90,0 ml |
| 120 ml | 6 mg/ml | 36,0 ml (3,6 Flaschen) | 12,0 ml | 72,0 ml |
| 120 ml | 10 mg/ml | 60,0 ml (6,0 Flaschen) | 12,0 ml | 48,0 ml |
6. Die Kunst des Wartens: Reifezeiten erklärt
Ein frisch gemischtes Liquid schmeckt direkt nach dem Schütteln oft noch flach, extrem scharf oder gar nach Parfüm. Das liegt daran, dass die Aromamoleküle Zeit benötigen, um sich im dickflüssigen Glycerin vollends zu entfalten. Man spricht hier von der sogenannten Reifezeit. Lagere dein Liquid an einem dunklen, kühlen Ort (z.B. im Keller oder im Wandschrank, keinesfalls im Kühlschrank) und beachte folgende Faustregeln:
- Frucht- & Mentholaromen: Benötigen kaum Reifezeit. Sie schmecken oft schon nach 1 bis 3 Tagen hervorragend.
- Dessert-, Vanille- & Backaromen: Brauchen mindestens 7 bis 14 Tage Reifezeit. Je länger sie stehen, desto cremiger und runder wird der Geschmack.
- Tabakaromen: Entfalten ihr volles, authentisches Potenzial oft erst nach 3 bis 4 Wochen geduldiger Reifung.
7. Gesetzliche Aspekte und Sicherheitsstandards in Deutschland
Beim Umgang mit Nikotin ist stets äußerste Vorsicht geboten. Bewahre alle Basen, Shots und Aromen zwingend außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf! Bereits geringe Mengen verschluckten Nikotins können für Kleinkinder lebensgefährlich sein. E-Liquids unterliegen in Europa der europäischen Tabakproduktrichtlinie (TPD2), welche unter anderem vorschreibt, dass nikotinhaltige Flüssigkeiten ein maximales Flaschenvolumen von 10ml und eine maximale Konzentration von 20mg/ml aufweisen dürfen. Detaillierte Risikobewertungen und Toxikologie-Studien zu E-Zigaretten und E-Liquids stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur Verfügung. Die Nutzung von behördlich geprüften Inhaltsstoffen garantiert ein sicheres Dampferlebnis.

8. FAQ - Häufig gestellte Fragen
Darf ich Aroma pur dampfen?
Nein! Niemals! Hochkonzentrierte E-Zigaretten-Aromen bestehen aus reinen Geschmacksträgern und Lösungsmitteln. Das pure Inhalieren kann zu schweren Reizungen der Atemwege und Lungenschäden führen. Aromen müssen immer mit Base verdünnt werden.
Mein selbstgemischtes Liquid kratzt extrem im Hals. Woran liegt das?
Dafür gibt es meist zwei Ursachen: Entweder ist der PG-Anteil zu hoch gewählt (PG sorgt für den Throat Hit), oder die Nikotinstärke ist zu hoch für dein Dampfverhalten. Versuche beim nächsten Mal, den VG-Anteil zu erhöhen oder Nikotinsalz-Shots statt klassischem Nikotin zu verwenden.
Kann ich normales Speise-Glycerin oder Backaromen zum Dampfen nutzen?
Auf gar keinen Fall! Speise-Glycerin enthält oft Wasseranteile, die beim Erhitzen gefährlich sein können. Noch gefährlicher sind Backaromen aus dem Supermarkt: Diese basieren meist auf Fetten und Ölen (z.B. Speiseöl). Das Inhalieren von Ölen in der Lunge führt zu einer lebensgefährlichen Lipidpneumonie (Fettlunge). Nutze ausschließlich zertifizierte E-Zigaretten-Aromen auf PG- oder Ethanolbasis.
Was passiert, wenn mein Liquid zu lange reift?
Prinzipiell werden Liquids nicht so schnell schlecht. Nach vielen Monaten oder Jahren kann sich das Nikotin durch Oxidation leicht bräunlich verfärben und das Aroma etwas an Intensität verlieren. Das Liquid bleibt jedoch in der Regel dampfbar, solange es kühl und dunkel gelagert wurde.
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